Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit CMT können grundsätzlich dieselben schulischen und beruflichen Ausbildungsziele verfolgen wie andere auch. CMT verursacht keine geistigen Beeinträchtigungen. Körperliche Einschränkungen, Schmerzen oder eine schnellere Ermüdung können den Schul- und Ausbildungsalltag jedoch erschweren.
Wichtig ist deshalb, nicht nur auf sichtbare Einschränkungen zu achten. Mit Verständnis, passenden Rahmenbedingungen und individuellen Lösungen lassen sich viele Herausforderungen gut bewältigen.

CMT im Schulalltag
CMT kann sich bei jedem Kind anders bemerkbar machen. Manche Einschränkungen sind deutlich sichtbar, andere für Mitschüler:innen oder Lehrpersonen kaum erkennbar.
Mögliche Anzeichen sind etwa:
- Schwierigkeiten beim Gehen oder Treppensteigen
- häufigeres Stolpern oder Unsicherheit beim Gleichgewicht
- raschere Ermüdung und Fatigue
- Schmerzen oder Krämpfe
- Schwierigkeiten beim längeren Stehen
- eingeschränkte Kraft und Feinmotorik in Händen und Fingern
- Probleme beim Laufen, Springen, Klettern oder Balancieren
Auch der Weg von einem Klassenraum zum nächsten oder das Tragen einer schweren Schultasche kann deutlich mehr Kraft erfordern als bei anderen Schüler:innen.
Wenn Schreiben anstrengend wird
CMT kann auch Hände und Finger betreffen. Dadurch kann es schwieriger sein, einen Stift längere Zeit zu halten oder schnell mitzuschreiben.
Eine langsamere oder weniger gleichmäßige Handschrift ist daher nicht automatisch ein Zeichen mangelnder Sorgfalt. Auch Diktate, Mitschriften oder längere schriftliche Arbeiten können für Schüler:innen mit CMT körperlich anstrengender sein.
Ähnliches gilt für feinmotorische Tätigkeiten – etwa Basteln, Zeichnen, Schneiden oder andere praktische Aufgaben. Angepasste Arbeitsbedingungen und geeignete Hilfsmittel können dabei entlasten.
Nicht jede Einschränkung ist sichtbar
Eine besondere Herausforderung bei CMT sind Beschwerden, die von außen nicht erkennbar sind.
Fatigue, Schmerzen, Kribbeln, Krämpfe oder Gefühlsstörungen können plötzlich auftreten und sich im Laufe eines Schultages verändern. Ein Kind kann deshalb morgens noch gut mithalten und einige Stunden später deutlich erschöpfter sein.
Für Lehrpersonen und das Umfeld ist es wichtig zu verstehen: Auch wenn man CMT nicht sieht, können die Auswirkungen deutlich spürbar sein.
Die Belastbarkeit sollte daher nicht ausschließlich danach beurteilt werden, was ein Kind zu einem bestimmten Zeitpunkt sichtbar leisten kann.
Bewegung und Sportunterricht
Bewegung ist für Kinder und Jugendliche mit CMT wichtig. Gleichzeitig können bestimmte sportliche Aktivitäten aufgrund von Muskelschwäche, Gleichgewichtsproblemen oder schneller Ermüdung schwieriger sein.
Ziel sollte deshalb nicht sein, Bewegung grundsätzlich zu vermeiden, sondern Möglichkeiten zu finden, wie das Kind im Rahmen seiner individuellen Fähigkeiten teilnehmen kann.
Je nach Situation können beispielsweise weniger Wiederholungen, zusätzliche Pausen oder angepasste Übungen sinnvoll sein. Welche Belastung geeignet ist, sollte individuell und gegebenenfalls gemeinsam mit den behandelnden Therapeut:innen oder Ärzt:innen abgestimmt werden.
Kleine Anpassungen können viel erleichtern
Oft sind es einfache organisatorische Maßnahmen, die den Schulalltag deutlich erleichtern.
Je nach Bedarf können beispielsweise hilfreich sein:
- zusätzliche Zeit für Wege oder Aufgaben
- Nutzung eines Aufzugs
- Handläufe bei Treppen
- möglichst kurze Wege zwischen Unterrichtsräumen
- ein leicht zugängliches Schließfach oder Stauraum für Schulsachen
- ein zweiter Satz Schulbücher für zu Hause
- Kopien oder digitale Unterlagen anstelle umfangreicher handschriftlicher Mitschriften
- ein individuell angepasster Sportunterricht
- ausreichend Zeit für notwendige Therapie- oder Arzttermine
- barrierefreier Zugang, wenn vorübergehend oder dauerhaft eine Mobilitätshilfe benötigt wird
Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt immer von der individuellen Situation ab.

Verständnis statt Bewertung
Körperliche Einschränkungen durch CMT können leicht missverstanden werden.
Wer langsamer schreibt, später im nächsten Klassenraum ankommt, beim Aufstehen mehr Zeit benötigt oder beim Sport nicht mit den anderen mithalten kann, ist deshalb nicht weniger motiviert oder leistungsbereit.
Gerade deshalb ist ein offener Austausch zwischen dem Kind beziehungsweise Jugendlichen, den Eltern, Lehrpersonen und – wenn notwendig – den behandelnden Ärzt:innen wichtig.
So kann verhindert werden, dass körperlich bedingte Schwierigkeiten zu ungerechter Beurteilung, Frustration oder Motivationsverlust führen.
Psychische Belastung ernst nehmen
Kinder und Jugendliche möchten dazugehören. Eine Erkrankung, die den Alltag schwieriger macht und gleichzeitig nicht immer sichtbar ist, kann deshalb zusätzlich belasten.
Unverständnis, Hänseleien oder Mobbing sind besonders verletzend. Manche Kinder versuchen auch, Beschwerden zu verbergen, um nicht anders behandelt zu werden.
Schule und Ausbildung sollten deshalb nicht nur körperliche Bedürfnisse berücksichtigen, sondern auch ein Umfeld schaffen, in dem sich Kinder und Jugendliche sicher und akzeptiert fühlen.
Bei Bedarf können beispielsweise Schulpsychologie, Schulsozialarbeit oder Jugendcoaching zusätzliche Unterstützung bieten.
Gemeinsam gute Lösungen finden
Die Bedürfnisse können sich im Laufe der Schulzeit verändern. Wachstum, die Entwicklung der Erkrankung, Operationen oder andere Veränderungen führen dazu, dass bisher passende Lösungen neu angepasst werden müssen.
Deshalb ist es sinnvoll, die Situation regelmäßig gemeinsam zu betrachten:
Was funktioniert gut? Wo entstehen neue Schwierigkeiten? Und welche Unterstützung würde den Schul- oder Ausbildungsalltag erleichtern?
Ein regelmäßiger Austausch zwischen Familie, Schule und Ärzt:innen kann helfen, frühzeitig passende Lösungen zu finden.
Ausbildung und Studium
Mit dem Ende der Schulzeit beginnt ein neuer Abschnitt. Bei der Wahl einer Ausbildung, Lehre oder eines Studiums sollten die eigenen Interessen und Fähigkeiten im Vordergrund stehen.
Gleichzeitig kann es hilfreich sein, auch die körperlichen Anforderungen realistisch einzuschätzen. Lange Geh- oder Stehzeiten, schwere körperliche Arbeit oder Tätigkeiten, die dauerhaft hohe feinmotorische Belastungen erfordern, können je nach Ausprägung von CMT schwieriger sein.
Das bedeutet jedoch nicht, persönliche Ziele vorschnell aufzugeben. Oft können technische Hilfsmittel, organisatorische Anpassungen oder andere Rahmenbedingungen neue Möglichkeiten schaffen.
Gut zu wissen
CMT beeinflusst die körperlichen Fähigkeiten – nicht die Intelligenz eines Kindes. Wenn Schreiben, Gehen, Sport oder andere Tätigkeiten mehr Zeit und Kraft benötigen, sollte daraus nicht auf die Lernfähigkeit oder Motivation geschlossen werden. Passende Unterstützung ermöglicht Kindern und Jugendlichen, ihre Fähigkeiten zu zeigen und ihren eigenen Bildungsweg zu gehen.
Informationen für Eltern und Lehrpersonen
CMT-Austria hat einen Leitfaden für Schulärzt:innen, Lehrpersonal und Eltern erstellt. Dieser informiert über sichtbare und unsichtbare Symptome, mögliche Auswirkungen auf den Unterricht und praktische Unterstützungsmöglichkeiten im Schulalltag.
➡️ Leitfaden „CMT-Austria – Ein Leitfaden für Schulärzt, Lehrpersonal und Eltern“ herunterladen
Das könnte dich ebenfalls interessieren
ALLTAG MIT CMT
Hier findest du erprobte Ansätze, die dir helfen können, deinen Alltag mit CMT möglichst selbstbestimmt und gut zu gestalten.
➡️ Weiter zu „Alltag mit CMT“
Beruf & Arbeitsplatz
Tipps und Anregungen für den erfolgreichen Umgang mit CMT im Berufsleben.
➡️ Weiter zu „Beruf & Arbeitsplatz“
Hilfsmittel & Unterstützung
Hilfsmittel, Therapien und Angebote, die das Leben mit CMT erleichtern und unterstützen.
➡️ Weiter zu „Hilfsmittel & Unterstützung“
Erfahrungsberichte
Persönliche Geschichten von Menschen mit CMT – authentisch, vielfältig und inspirierend.
➡️ Weiter zu „Erfahrungsberichte“
