Neuroorthopädie

Die Begleitung und Behandlung von CMT liegt medizinisch an einer Schnittstelle zwischen Neurologie und Orthopädie. Viele Menschen mit CMT werden deshalb von Fachärzt:innen beider Bereiche betreut.

Bei ausgeprägteren Fehlstellungen spielt die Neuroorthopädie eine bedeutende Rolle: sie hilft dabei zu beurteilen, wie sich Fehlstellungen entwickeln und welche Maßnahmen sinnvoll sein können.

Im Falle einer operativen Behandlung wird grundsätzlich zwischen einem möglichst frühen, vorbeugenden Eingriff und der Korrektur bereits ausgeprägter oder eingesteifter Fehlstellungen unterschieden.

Die Neuroorthopädie ist ein medizinisches Spezialgebiet. Sie verbindet Neurologie (Nerven und Gehirn) und Orthopädie (Knochen, Gelenke und Muskeln). © Visual: KI-generiert mit Chat-GPT

Fehlstellungen möglichst früh entgegenwirken

Bei CMT kann sich das Gleichgewicht zwischen verschiedenen Muskelgruppen verändern. Das führt dazu, dass sich im Laufe der Erkrankung Fehlstellungen an Füßen und Beinen entwickeln.

Bei einem frühen Eingreifen kann durch Muskel- und Sehnenverlängerungen versucht werden, eine neue Balance der Muskulatur an Unterschenkel und Fuß herzustellen. So soll der Entwicklung bestimmter Fehlstellungen entgegengewirkt werden. Dazu gehören:

  • Rückfuß-Varus
  • Ballenhohlfuß
  • Krallenzehen

Ein frühes Eingreifen kann außerdem dazu beitragen, das Risiko einer vorzeitigen Abnutzung der Gelenke zu vermindern.

wissenswert: Rebalancierung

Solange eine Fehlstellung noch flexibel ist, kann das Ziel einer operativen Behandlung darin bestehen, das Zusammenspiel von Muskeln und Sehnen neu auszubalancieren. Diese Rebalancierung soll dazu beitragen, den Fuß möglichst funktionell auszurichten.

Wenn Fehlstellungen bereits eingesteift sind

Sind Fehlstellungen bereits eingesteift, können zusätzlich zu den Eingriffen an Muskeln und Sehnen auch operative Maßnahmen an Knochen und Gelenken notwendig werden.

Ziel ist es, einen möglichst gut beweglichen und schmerzfreien Fuß herzustellen, der stabil auf dem Boden aufgesetzt werden kann.

Welche operativen Verfahren dafür notwendig sind, muss immer individuell entschieden werden. Die Auswahl der geeigneten Techniken hängt von der jeweiligen Fehlstellung und ihrer Ausprägung ab und erfordert entsprechende orthopädische Erfahrung auf dem Gebiet der Neuroorthopädie.

Aus der Praxis: Orthopädische Operationen bei CMT

Bei der CMT-Austria-Herbsttagung 2017 berichteten Dr. Tanja Kraus und Dr. Martin Svehlik von der Abteilung für Kinderorthopädie des LKH Graz über die Möglichkeiten orthopädischer Operationen bei CMT. Dabei wurde insbesondere der Trend zu früheren, möglichst gelenkserhaltenden Eingriffen thematisiert.

Bei einer flexiblen Fehlstellung des Fußes steht die Rebalancierung im Vordergrund. Durch Eingriffe an Muskeln und Sehnen soll das muskuläre Gleichgewicht verbessert und der Fuß funktionell ausgerichtet werden.

Bei einer schweren Fehlstellung, insbesondere wenn Gelenke bereits geschädigt sind, können zusätzlich Eingriffe an Knochen und Gelenken notwendig werden. Dazu kann auch eine Versteifungsoperation gehören.

„Versteifung“ bedeutet in diesem Kontext nicht zwangsläufig, dass der gesamte Fuß unbeweglich wird. Bei den von Dr. Kraus und Dr. Svehlik beschriebenen Eingriffen kann beispielsweise das untere Sprunggelenk versteift werden. Die dadurch entstehenden Einschränkungen können beim Gehen durch orthopädische Schuhe ausgeglichen werden.

wissenswert: Flexible oder schwere Fehlstellung?

Flexible Fehlstellung: Im Vordergrund steht die Rebalancierung von Muskeln und Sehnen und damit möglichst der Erhalt der Gelenke.

Schwere beziehungsweise eingesteifte Fehlstellung: Sind Gelenke bereits geschädigt, können zusätzlich Eingriffe an Knochen und Gelenken bis hin zu einer Versteifungsoperation notwendig werden.

Welche Behandlung infrage kommt, muss immer individuell fachärztlich beurteilt werden.

Nachbehandlung: Das passiert nach einer Operation

Die Behandlung nach einem neuroorthopädischen Eingriff ist von wesentlicher Bedeutung. Je nach Art des Eingriffs kann zunächst eine mehrwöchige Ruhigstellung im Gips erforderlich sein. Anschließend können beispielsweise orthopädische Schuhe angepasst oder Einlagen angefertigt werden.

Welche Maßnahmen notwendig sind und wie lange die einzelnen Phasen der Nachbehandlung dauern, wird individuell auf den jeweiligen Eingriff und die persönliche Situation abgestimmt.

Physiotherapie und Bewegung

Dr. Tanja Kraus und Dr. Martin Svehlik betonten bei der CMT-Austria-Herbsttagung 2017 auch die Bedeutung von Bewegung und Physiotherapie nach einer Operation.

Die physiotherapeutische Begleitung trägt dazu bei, das durch die Operation erreichte Ergebnis – einen möglichst funktionellen Fuß mit guter Auflage – möglichst lange zu erhalten.

Eine Operation sollte deshalb nicht isoliert betrachtet werden. Je nach Situation gehören auch Physiotherapie, regelmäßige Bewegung, Einlagen, orthopädische Schuhe oder andere Hilfsmittel zur weiteren Behandlung.

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Individuelle Beurteilung

Nicht jede Fußfehlstellung bei CMT erfordert eine Operation. Je nach Art und Ausprägung können zunächst konservative Maßnahmen wie Einlagen, orthopädische Schuhe oder Orthesen eingesetzt werden.

Die Neuroorthopädie kann insbesondere dann wichtig werden, wenn sich Fehlstellungen weiterentwickeln oder bereits stärker ausgeprägt sind und beurteilt werden muss, ob eine operative Korrektur sinnvoll ist.

Entscheidend ist eine individuelle Beurteilung der Fehlstellung und ihrer Entwicklung sowie eine gute Abstimmung zwischen den beteiligten Fachbereichen.

Ärzt:innen & Therapeut:innen finden

Im Bereich Hilfe & Services findest du Informationen zu Ärzt:innen, Therapeut:innen und weiteren Anlaufstellen rund um CMT.

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